„Stoppelhoppser“ und „Grundschulteufel“ sind die Stars
Fußball-Integrationsturnier in Rheinböllen soll Fairplay fördern – Regeln schrauben Wettkampfgedanken zurück
Rheinböllen. Die „Red Devils“ von der Grundschule Emmelshausen sind Weltmeister. Aber eigentlich waren alle Weltmeister beim Integrationsturnier „Ballance“ in Rheinböllen. Die Dreikäsehochs aus den umliegenden Grundschulen, die sich „Smileys“, „Grundschulteufel“ oder „Stoppelhoppser“ nannten, waren die Stars auf dem DFB-Minispielfeld sowie den drei Fußballplätzen.
„3 a, wunderbar“, „Anna vor“ und der Klang von Vuvuzelas war schon auf den Parkplätzen an der Rheinböllener Sportanlage zu hören. Schüler wurden zu leidenschaftlichen Fans, Mädchen zu Goalgettern und Lehrer zu Fußballexperten . Doch neben dem Spaß erfüllte das Turnier mit mehr als 200 Schülern aus sieben Grundschulen weitere Zwecke: Der Fairplay-Gedanke sollte gefördert und die Mädchen in den Fußball eingebunden werden – auch im Hinblick auf die Frauen-WM, die nächstes Jahr in Deutschland stattfindet.
Eigentlich war das Projekt nur bis zur WM 2006 angelegt. Doch der Erfolg animierte die Verantwortlichen, weiterzumachen. Mittlerweile laufen die Turniere, die von Grundschulen und Jugendhäusern ausgerichtet werden, unter dem Motto „Straßenfußball für eine integrative, faire und tolerante Weltmeisterschaft 2011“ . Dass dieses Motto Früchte trägt, zeigten die Kinder in Rheinböllen. Die drei Regeln, wonach der Gegner mit Handschlag begrüßt wird, nach einem Foulspiel eine Entschuldigung ausgesprochen werden muss und die Verabschiedung mit Handschlag erfolgt, hatten die Knirpse schnell verinnerlicht. Da wurde auch mal ein Rivale tröstend in den Arm genommen .
Die Teamer vom TuS Rheinböllen sorgten dafür, dass die Regeln eingehalten wurden. Sie verteilten Punkte nicht nur für gewonnene Spiele, sondern auch für Fairplay. „So kann eine Mannschaft gewinnen, die weniger Tore geschossen hat als der Gegner“, erklärt der Schulfußballreferent beim FVR, Patric Muders, der das Turnier organisiert hatte. „Der Wettkampfgedanke wird zurückgeschraubt.“ Als Zusatzregel hatte sich der Verband ausgedacht, dass Tore der Jungs erst zählen, wenn ein Mädchen getroffen hat. So wurde das weibliche Geschlecht gesucht – und bejubelte fast in jedem Spiel ein Tor.
Sina Ternis Rhein-Hunsrück-Zeitung vom Donnerstag, 8. Juli 2010, Seite 19
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